Die Corona Pandemie: ein Forschungsgegenstand der Geographie?

Erstmals im Dezember 2019 traten in der chinesischen Stadt Wuhan gehäuft Lungenentzündungen auf und am 7. Januar 2020 wurde der neuartige Verursacher identifiziert:  das von der Weltgesundheitsorganisation mit dem offiziellen Namen COVID-19 (Coronavirus Disease 2019) Virus bezeichnet wurde. Seitdem hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Was kann die Medizinische Geographie beitragen, um die Öffentlichkeit über die Situation und Perspektiven aufzuklären? Jede Berichterstattung zieht den raumbezogenen Aspekt mit ein, die Frage nach dem Ort ist zentral. Fortlaufend werden die Daten räumlich und zeitlich nach Ländern aktualisiert und in einer Karte der Johns Hopkins University (Baltimore) dargestellt. Diese ist auf vielen Nachrichtenseiten zu finden. Die kartographische Darstellung von Krankheiten und die dadurch sichtbar gemachten Muster ist historisch die zentrale Aufgabe der Medizinischen Geographie. Sie hat wie selbstverständlich Einzug in den Alltag gehalten. Die Geographische Gesundheitsforschung geht allerdings weit über die deskriptive Darstellung der Karte hinaus und eröffnet wichtige Perspektiven auf die Pandemie. Infektionsketten in ihrer raum- und zeitbezogenen Dimension werden nachvollzogen, geographische Methoden eingesetzt, um Bewegungsmuster nachzuvollziehen, Aspekte der räumlichen Organisation des Gesundheitssystems etc. analysiert. Die post-medizinische Geographische Gesundheitsforschung schließlich beleuchtet die gesellschaftlichen Fragen, die sich aus der Pandemie ergeben. Es wird hinterfragt, wie die Pandemie Orten eine neue Bedeutung zuweist und welche Folgen daraus erwachsen, wenn sich etwa Theater vom Ort der Kultur temporal zum Angstraum vor Infektion verwandeln. Es gibt viel zu tun für die Geographische Gesundheitsforschung.

Link zu aktuellen Informationen und einer interaktiven Karte (WHO):
https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019

Arbeitskreis für Medizinische Geographie und Geographische Gesundheitsforschung in der Deutschen Gesellschaft für Geographie

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