Provoziert die Krise im Erdölland Venezuela eine militärische Eskalation?

Die politische und humanitäre Krise im ölreichen Venezuela hat bis jetzt die Emigration von mindestens einer Millionen Venezolanern in alle südamerikanischen Länder provoziert. Dem offiziell amtierenden sozialistischen Präsidenten Maduro wird vorgeworfen, aus politischem Kalkül soziale Missstände in Kauf zu nehmen. Die Krise eskalierte am 10. Januar 2019, 8 Monate nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Maduro, als der amtierende Parlamentspräsident Guaidó Nicolás Maduro quasi entmachtete und zu landesweiten Protesten aufrief infolge derer es zu mehreren Toten kam und nun die Befürchtung eines Bürgerkriegs im Raum steht.

Mehrere Länder, unter ihnen auch Deutschland, erkannten Guaidó als offiziellen Vertreter des Staates an, während Maduro weiter legitimer Präsident ist. Nun droht die Gefahr, dass Venezuelas Krise zum internationalen Konflikt zwischen den Anerkennern Maduros (Russland, China, Türkei, Iran) und Guaidós (USA, EU) werden könnte. Die USA merkten bereits an, dass eine militärische Intervention zur Unterstützung Guaidós im Zeichen der Wiederherstellung der Demokratie nicht auszuschließen sei. In der Debatte muss beachtet werden, dass Venezuela über die größten Ölfelder der Welt verfügt, deren Förderung durch die sozialistische Regierung stark reduziert wurde. Geographinnen und Geographen können insbesondere dabei helfen, die Motive von internationalen Gegnern und Befürwortern von Interventionsphantasien zu analysieren.

Damit wird möglich, was bis zu vor kurzem in Deutschland noch als unwahrscheinliche Schwarzmalerei verurteilt wurde, nämlich dass die Befriedung der kolumbianischen Guerillaorganisation FARC, die militärisch von Venezuela unterstützt worden war, möglicherweise im Zusammenhang mit einer internationalen Intervention im ölreichen Nachbarland Venezuela stehe. Diese These kursiert unter kolumbianischen Intellektuellen bereits seit langem und es bleibt zu beobachten, welche regionalen und internationalen Implikationen die Krise haben wird. Weiterhin ist zu diskutieren, inwieweit beide politischen Vorkommnisse Teil einer regionalen Außenpolitik mit Ziel der Rohstoffsicherung sind.

Ein Bericht von Dipl.-Geogr. Dorothea Hamilton

Bildnachweis: Andrés E. Azpúrua [CC BY-SA 3.0] – Wikimedia Commons

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