Ausgezeichneter Geographie-Nachwuchs
Die Preise für die besten Dissertationen 2007 im Fach Geographie erhalten Thomas Nauss für seine Arbeit „Das Rain Area Delineation Scheme RADS – ein neues Verfahren zur satellitengestützten Erfassung der Niederschlagsfläche über Mitteleuropa“ und Hellmut Fröhlich für seine Arbeit „Das neue Bild der Stadt. Filmische Stadtbilder und alltägliche Raumvorstellungen im Dialog“.
23.10.2007

Ziel der Dissertation von Thomas Nauss vom Fachbereich Geographie der Universität Marburg war es, ein automatisiertes Verfahren zur Abgrenzung von Niederschlagsflächen auf der Basis optischer Sensoren zu entwickeln. Bisher ließen sich aus Satellitendaten hoch aufschießende Gewitterwolken erfassen, nicht aber flache Niederschlagsgebiete, wie sie in Mitteleuropa häufig vorkommen. Um regnende und nicht regnende Wolkenbereiche zu unterscheiden, kombinierte Nauss die Wolkendichte und den Radius der Wolkentropfen. Mittels dieser beiden Kennwerte und entsprechender Rechenverfahren lassen sich anhand von Satellitendaten Niederschlagsflächen mit einer zuvor nicht erreichten räumlichen Auflösung im Kilometerbereich identifizieren, und zwar sowohl bei hoher als auch bei flacher Bewölkung. Die Gutachter lobten die Arbeit von Thomas Nauss als „hoch komplex und innovativ“ und unterstrichen die Bedeutung seiner Untersuchung für die zukünftige kleinräumige Analyse der Niederschlagsverteilung für den gesamten mitteleuropäischen Raum. Hellmut Fröhlich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der RWTH Aachen, beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit der medialen und filmischen Inszenierung städtischer Räume und mit den Einflüssen solcher Inszenierungen auf alltagsweltliche Raumvorstellungen. Ausgehend von Überlegungen des US-amerikanischen Geographen Michael Dear entwickelt der Autor eine Fragestellung, in der verschiedene „Bilder der Welt“ untersucht und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die empirischen Teile bestehen aus einer Analyse ausgewählter Filme über die Städte New York und Berlin aus verschiedenen Zeiträumen, denen stadtgeographische Profile gegenübergestellt werden. Hinzu kommen die Ergebnisse aus 41 Interviews, die Fröhlich mit Gesprächspartnern in Bayreuth, Berlin, New York und Delaware führte. Die Jury hob unter anderem „die gelungene Verknüpfung unterschiedlicher inhaltlicher Ebenen und die hierzu hergeleiteten theoretischen Bezüge aus der Geographie und Medientheorie“ hervor. Fröhlich habe mit seiner Untersuchung der zunehmenden Durchdringung unterschiedlicher medialer Deutungsangebote und alltagsweltlicher Vorstellungen des Städtischen „einen eigenständigen und ausgesprochen gewichtigen Beitrag für ein wichtiges Feld der aktuellen Stadtgeographie“ geleistet. Die Dissertationspreise des VGDH werden alle zwei Jahre auf dem Deutschen Geographentag verliehen. In den vergangenen Jahren gingen Auszeichnungen unter anderem an Bruno Schelhaas, Andreas Schellenberger, Martina Neuburger, Peter Houben und Ivo Moßig. Die Preise für die besten Doktorarbeiten in der Physischen Geographie und in der Humangeographie sind mit jeweils 1500 Euro dotiert.