VGDH Dissertationspreise


Dissertationspreis des Verbands der Geographen an deutschen Hochschulen (VGDH) 2013 – Humangeographie


Foto: F. Weichselbaumer

Foto PrivatDen mit € 1500,– dotierten Dissertationspreis erhält Frau Dr. Tabea Bork-Hüffer (Köln) für ihre Dissertation mit dem Titel “Migrants‘ Health Seeking Actions in Guangzhou, China. Individual Action, Structure and Agency: Linkages and Change”
Tabea Bork-Hüffer hat innerhalb kürzester Zeit sehr konsequent und zielorientiert ihr Studium mit herausragenden Leistungen an den Universitäten Bonn, Belfast und Köln absolviert. 2011 wurde Tabea Bork-Hüffer an der Universität zu Köln mit der preisgekrönten Dissertation und mit Auszeichnung (summa cum laude) promoviert. In dieser im Franz Steiner Verlag (Stuttgart) veröffentlichten Arbeit wird ein neuer gesellschaftstheoretischer Ansatz vorgestellt, der auf das Beispiel des genesungsorientierten Handelns von Land-Stadt-Wanderern angewandt wird, die in der Megastadt Guangzhou im Südosten Chinas leben. Damit gelingt es Tabea Bork-Hüffer in beeindruckender Tiefe, die vielschichtigen Einflussfaktoren von existierenden Machtstrukturen und Interessen der Akteure im Gesundheitssystem, individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und Strategien und der vor allem im chinesischen Kontext bedeutenden Einwirkung sozio-kultureller Faktoren zu durchdringen sowie ihre Verschränkung und Veränderung in Zeit und Raum unter Berücksichtigung der rasanten Transformationsprozesse im Land und der Wechselwirkungen mit Prozessen globalen Wandels aufzudecken. Die Arbeit besticht hinsichtlich ihrer völlig eigenständig entwickelten theoretisch-konzeptionellen Grundlagen, der gekonnten Verschränkung unterschiedlicher Theoriestränge und der ausgezeichneten Argumentationsführung.

Dissertationspreis des Verbands der Geographen an deutschen Hochschulen (VGDH) 2013 – Physische Geographie


Foto: F. Weichselbaumer

Foto PrivatDen mit € 1500,– dotierten Dissertationspreis erhält Herr Dr. Benjamin Bechtel (Hamburg) für seine Dissertation mit dem Titel “Remote sensing of urban canopy parameters for enhanced modelling and climate related classification of urban structures”
Benjamin Bechtel studierte Geographie, Informatik, Physik und Stadtplanung an der Universität Hamburg, der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und der Technischen Universität Hamburg-Harburg. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit „Objektextraktion von Bäumen aus Luftbildern – Vergleich und Steuerung von Segmentierungsverfahren zur Vorbereitung eines Expertensystems“ und erhielt dafür 2008 ein Diplom in Geographie. 2012 wurde er mit Auszeichnung promoviert. In dieser Arbeit entwickelte er Parameter zur Beschreibung der aerodynamischen sowie thermischen Eigenschaften aus aktiven und passiven Fernerkundungsdaten und untersuchte deren Eignung zur Diskretisierung von Stadtstrukturen in klimatisch relevante Einheiten sowie zur Erklärung räumlich differenzierter stadtklimatischer Muster. Benjamin Bechtels Forschungsarbeiten sind nicht nur in einem Themenfeld von wachsender Relevanz angesiedelt, sondern sie versuchen darüber hinaus, die Brücke zwischen Stadtklimatologie und urbaner Fernerkundung zu stärken.


Preisträger 2012
Dr. Julia Verne vom Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Dr. Tobias Sauter vom Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie der RWTH Aachen erhielten jetzt die Dissertationspreise des Verbandes der Geographen an Deutschen Hochschulen (VGDH). Diese wurden für die besten Doktorarbeiten in der Humangeographie und in der Physischen Geographie aus den Jahren 2009 bis 2011 vergeben. Die Auszeichnung wurde im Rahmen des internationalen Geographiekongresses „Down to Earth“ im August 2012 in Köln verliehen.

Dissertationspreis Humangeographie 2012
Dr. Julia Verne wurde für ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Living Translocality: Space, Culture and Economy in Contemporary Swahili Trading Connections“ ausgezeichnet. Ihre Forschungen basieren auf umfangreichen eigenen Feldstudien, die sie während zahlreicher Reisen nach Ostafrika, auf die arabische Halbinsel und England durchführte. Ziel war es, die Zusammenhänge zwischen Mobilität einerseits und den realen Bedingungen der Translokalität im Leben der Swahili andererseits aufzudecken. Verne konnte erstmals überzeugend darlegen, warum Handel und Mobilität bis heute eine herausragende Rolle für die Identität und Kultur der Swahili spielen. Sie verknüpft außerdem die gewonnenen empirischen Befunde mit aktuellen Theoriediskursen über „place“ und „space“.
Dr. Julia Verne arbeitete nach Abschluss ihres Studiums in Royal Holloway, University of London, von 2006 bis 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bevölkerung- und Sozialgeographie der Universität Bayreuth, wo sie 2010 promovierte. Anschließend arbeitete sie als Post-Doc Research Scholar am History Department der University of California Los Angeles. Seit November 2011 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt a. M. tätig.
Ihre Forschungsschwerpunkte beinhalten aktuelle theoretische und methodologische Debatten der Kulturgeographie, insbesondere Mobilität, Translokalität, Virtualität und Relationalität und damit zusammenhängende Konzeptionen und Erfahrungen von Raum, sowie Diskussionen um das Verhältnis von Kultur und Ökonomie in der Wirtschaftsgeographie. Weiter beschäftigt sie sich mit Fragen der Migration und Integration vor allem im Bereich kommunaler Integrationspolitik.

Dissertationspreis Physische Geographie 2012
Dr. Tobias Sauter erhielt den Dissertationspreis Physische Geographie für seine Arbeit „Application, optimization and uncertainty estimation of global nonlinear nonparametric prediction algorithms: case studies in Physical Geography“, die 2011 in englischer Sprache erschienen ist.
Sauter forschte zur Entwicklung und Bewertung mathematischer Methoden zur Modellierung räumlicher und zeitlicher Strukturen, wie Schneedeckenverteilung in deutschen Mittelgebirgen, Niederschlagsmuster in Nordrhein-Westfalen und dem Wasserabfluss vergletscherter Einzugsgebiete in Patagonien. Dabei hat er sogenannte nichtlineare Verfahren, unter anderem neuronale Netzwerke eingesetzt. Um die Ungewissheit in den Zeitreihen und räumlichen Mustern zu analysieren und die physikalischen Zusammenhänge in den geostatistischen Ansätzen zu ergründen, führte er Sensitivitätsstudien durch, bei denen modernste mathematische Ansätze zur Anwendung kamen. Die Ergebnisse der Forschungen wurden in hochrangigen internationalen Fachzeitschriften und Buchkapiteln veröffentlicht.
Tobias Sauter studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Geographie, Meteorologie und Geologie. Seit 2007 arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen und wurde von Prof. Dr. Christoph Schneider betreut.


Preisträger 2007
Die Preise für die besten Dissertationen 2007 im Fach Geographie erhalten Thomas Nauss für seine Arbeit „Das Rain Area Delineation Scheme RADS – ein neues Verfahren zur satellitengestützten Erfassung der Niederschlagsfläche über Mitteleuropa“ und Hellmut Fröhlich für seine Arbeit „Das neue Bild der Stadt. Filmische Stadtbilder und alltägliche Raumvorstellungen im Dialog“.

Ziel der Dissertation von Thomas Nauss vom Fachbereich Geographie der Universität Marburg war es, ein automatisiertes Verfahren zur Abgrenzung von Niederschlagsflächen auf der Basis optischer Sensoren zu entwickeln. Bisher ließen sich aus Satellitendaten hoch aufschießende Gewitterwolken erfassen, nicht aber flache Niederschlagsgebiete, wie sie in Mitteleuropa häufig vorkommen. Um regnende und nicht regnende Wolkenbereiche zu unterscheiden, kombinierte Nauss die Wolkendichte und den Radius der Wolkentropfen. Mittels dieser beiden Kennwerte und entsprechender Rechenverfahren lassen sich anhand von Satellitendaten Niederschlagsflächen mit einer zuvor nicht erreichten räumlichen Auflösung im Kilometerbereich identifizieren, und zwar sowohl bei hoher als auch bei flacher Bewölkung. Die Gutachter lobten die Arbeit von Thomas Nauss als „hoch komplex und innovativ“ und unterstrichen die Bedeutung seiner Untersuchung für die zukünftige kleinräumige Analyse der Niederschlagsverteilung für den gesamten mitteleuropäischen Raum. Hellmut Fröhlich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der RWTH Aachen, beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit mit der medialen und filmischen Inszenierung städtischer Räume und mit den Einflüssen solcher Inszenierungen auf alltagsweltliche Raumvorstellungen. Ausgehend von Überlegungen des US-amerikanischen Geographen Michael Dear entwickelt der Autor eine Fragestellung, in der verschiedene „Bilder der Welt“ untersucht und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die empirischen Teile bestehen aus einer Analyse ausgewählter Filme über die Städte New York und Berlin aus verschiedenen Zeiträumen, denen stadtgeographische Profile gegenübergestellt werden. Hinzu kommen die Ergebnisse aus 41 Interviews, die Fröhlich mit Gesprächspartnern in Bayreuth, Berlin, New York und Delaware führte. Die Jury hob unter anderem „die gelungene Verknüpfung unterschiedlicher inhaltlicher Ebenen und die hierzu hergeleiteten theoretischen Bezüge aus der Geographie und Medientheorie“ hervor. Fröhlich habe mit seiner Untersuchung der zunehmenden Durchdringung unterschiedlicher medialer Deutungsangebote und alltagsweltlicher Vorstellungen des Städtischen „einen eigenständigen und ausgesprochen gewichtigen Beitrag für ein wichtiges Feld der aktuellen Stadtgeographie“ geleistet. Die Dissertationspreise des VGDH werden alle zwei Jahre auf dem Deutschen Geographentag verliehen. In den vergangenen Jahren gingen Auszeichnungen unter anderem an Bruno Schelhaas, Andreas Schellenberger, Martina Neuburger, Peter Houben und Ivo Moßig. Die Preise für die besten Doktorarbeiten in der Physischen Geographie und in der Humangeographie sind mit jeweils 1500 Euro dotiert.